Fotos Farne und Blätter
...und Gedichte über den Wald


Gedicht von Heinrich Heine
Ich will mich im grünen Wald ergehn,
wo Blumen sprießen und Vögel singen;
Denn wenn ich im Grabe einst liegen werde,
ist Aug und Ohr bedeckt mit Erde,
die Blumen kann ich nicht sprießen sehn,
und Vögelgesänge hör ich nicht klingen.


Gedicht von Auguste Kurs
Nur eine Stunde von Menschen fern,
nur eine einzige Stunde!
Statt der tönenden Worte des Waldes Schweigen,
statt des wirbelnden Tanzes der Elfen Reigen,
statt der leuchtenden Kerzen den Abendstern,
nur eine Stunde von Menschen fern!


Nur eine Stunde im grünen Wald,
nur eine einzige Stunde!
Auf dem schwellenden Rasen umhaucht von Düften,
gekühlt von den reinen balsamischen Lüften,
wo von ferne leise das Echo schallt,
nur eine Stunde im grünen Wald!


Nur eine Stunde im grünen Wald,
nur eine einzige Stunde!
Wo die Halme und Blumen sich flüsternd neigen,
wo die Vögel sich wiegen auf schwankenden Zweigen,
wo die Quelle rauscht aus dem Felsenspalt,
nur eine Stunde im grünen Wald!


Gedicht "Waldesrauschen"
von Hermann Kletke
Oft geht an schönen Frühlingstagen,
die seltsam Rauschen durch den Wald,
gleichwie ein sehnsuchtsinnig Fragen,
das durch die weichen Lüfte hallt;


ein Flüstern dann, ein holdes Scherzen,
recht wie ein Zug von Herz zu Herzen -
doch wer dies Rauschen will verstehn,
der muss im Wald zu zweien gehn!


Vom Bächlein rauscht es tief in Gründen;
ein Plätschern hier, ein Plaudern dort:
In frischer Luft ein Lenzverkünden,
im Liebestraum ein flüsternd Wort;

da ist, als müssten im Vereine
mittönend rauschen selbst die Steine -
doch wer dies Rauschen will verstehn,
der muss im Wald zu zweien gehn.

Und geht auf stillem Waldeswege
Im Lenzgefühl ein junges Paar,
dann glänzt wie Gold durch Laubgehege
der Himmel reich und wunderbar;

kein Lüftchen will das Glück verschweigen,
und lauter rauscht es in den Zweigen -
doch wer dies Rauschen will verstehn,
der muss im Wald zu zweien gehn.



Gedicht "Sehnsucht nach dem Wald"
von Hugo Salus
Herbst liegt seit Tagen mir schwer in den Gliedern.
Wenn auch die Sonne noch niederlacht,
fehlt mir der Mut, ihren Gruß zu erwidern,
weil meine Herbstangst mich traurig macht.

Heuer mein Sommer war Waldesdunkel,
freundlich als Bruder mich grüßender Wald,
der durch sein schönstes Blättergefunkel
meine zärtliche Liebe vergalt.

Hier in der Stadt treibt mein Waldgedenken,
zwingt mich des drohenden Herbstes Weh,
immer wieder die Schritte zu lenken
in den Vorstadtwald, in die Allee ...

Herbstblätter flattern schon müde nieder.
Waldtraum, Allee, ist in dir wie in mir.
Gönnt mir den Wald der Himmel wieder,
bring' ich ihm Brudergrüße von dir!



Gedicht "Der Wald"
von Heinrich Kämpchen
O Wald mit deinen Hallen,
so kühn und hoch gebaut,
mit deinem linden Säuseln,
mit deinem Sturmeslaut.

Will meine Kraft ermatten,
ist mir die Brust erschlafft,
du gibst mir Luft und Schatten
und neue Lebenskraft.

In deinem heil’gen Wehen
vergess ich all mein Leid,
wird mir der Odem freier,
wird mir die Seele weit.


Gedicht "Mein Wald, mein Leben"
von Emerenz Meier
Ich sah den Wald im Sonnenglanz,
vom Abendrot beleuchtet,
belebt von düstrer Nebel Tanz,
vom Morgentau befeuchtet:

stets blieb er ernst, stets blieb er schön,
und stets musst' ich ihn lieben.
Die Freud' an ihm bleibt mir besteh'n,
die andern all zerstieben.

Ich sah den Wald im Sturmgebraus,
vom Winter tief umnachtet,
die Tannen sein in wirrem Graus,
vom Nord dahingeschlachtet;

und lieben musst' ich ihn noch mehr,
ihn meiden könnt' ich nimmer.
Schön ist er, düsterschön und hehr,
und Heimat bleibt er immer.

Ich sah mit hellen Augen ihn,
und auch mit tränenvollen;
Bald hob er meinen frohen Sinn,
bald sänftigt' er mein Grollen.

In Sommersglut, in Winterfrost,
konnt' er mir mehr nicht geben,
so gab er meinem Herzen Trost;
Und drum: Mein Wald, mein Leben!





Gedicht "Abendlich schon rauscht der Wald"
von Joseph Freiherr von Eichendorff
Abendlich schon rauscht der Wald
aus den tiefsten Gründen,
droben wird der Herr nun bald
an die Sternlein zünden.
Wie so stille in den Schlünden,
abendlich nur rauscht der Wald.

Alles geht zu seiner Ruh.
Wald und Welt versausen,
schauernd hört der Wandrer zu,
sehnt sich recht nach Hause.
Hier in Waldes stiller Klause,
Herz, geh endlich auch zur Ruh.


Gedicht "Der Jäger Abschied"
von Joseph Freiherr von Eichendorff
Wer hat dich, du schöner Wald,
aufgebaut so hoch da droben?
Wohl den Meister will ich loben,
so lang noch mein Stimm erschallt.
Lebe wohl, lebe wohl, du schöner Wald!

Tief die Welt verworren schallt,
oben einsam Rehe grasen,
und wir ziehen fort und blasen,
dass es tausendfach verhallt:
Lebe wohl, lebe wohl, du schöner Wald!

Banner, der so kühle wallt!
Unter deinen grünen Wogen
hast du treu uns auferzogen,
frommer Sagen Aufenthalt!
Lebe wohl, lebe wohl, du schöner Wald!

Was wir still gelobt im Wald,
wollens draußen ehrlich halten,
ewig bleiben treu die Alten:
Deutsch Panier, das rauschend wallt,
Lebe wohl, schirm dich Gott, du schöner Wald!


Gedicht "Es war ein Wald von Tannen..."
von Carl Grüneisen
Es war ein Wald von Tannen,
die wölbten sich zum Dach;
Da gingen wir zusammen
langsam den andern nach.

Da sprachen wir zusammen,
wann war ich je so froh?
Da sangen wir zusammen,
wann sang ich wieder so?

Da schauten wir einander
so tief ins Aug´hinein;
Und sollten nicht die Herzen
sich auch begegnet sein?


Gedicht "In knospenden Zweigen"
von Hermann Löns
In knospenden Zweigen schmettern die Finken,
es trommelt der Specht sein Liebeslied,
der Tauber ruckst im Eichenwipfel,
ein Zittern und Beben den Wald durchzieht.

Im Falllaub leuchten einzelne Blüten,
der Wald wird morgen voll Blumen sein,
es hat erweckt sein Singen und Blühen
aus unseren Augen der Sonnenschein.


Gedicht "Tiere im Wald"
von Francisca Stoecklin
Wald, wie betreuend
verhüllst du die Tiere
in deinem unendlichen
Rauschen und Schweigen.

Fern den Menschen
sind sie am schönsten.
Geheim im Blau.
Selten, dass dir ein Reh
am Waldrand scheulos begegnet.

Den runden Tierblick
in deine Menschenaugen taucht.
- Und ward es dir nicht
wie ein geisterhaftes Berühren,
Wink aus dem Zwischenreich,
deine Sehnsucht schmerzend?

Tiere und Bäume
sind sinnvoll verschwistert,
teilen des Waldes Geheimnis.


Gedicht "Lorelei"
von Joseph Freiherr von Eichendorff
Es ist schon spät, es wird schon kalt,
was reit’st du einsam durch den Wald?
Der Wald ist lang, du bist allein,
du schöne Braut, ich führ‘ dich heim!

"Groß ist der Männer Trug und List,
vor Schmerz mein Herz gebrochen ist,
wohl irrt das Waldhorn her und hin,
O flieh‘ Du weißt nicht, wer ich bin."


So reich geschmückt ist Ross und Weib,
so wunderschön der junge Leib,
jetzt kenn‘ ich dich – Gott steh mir bei!
Du bist die Hexe Lorelei!


"Du kennst mich wohl – von hohem Stein
schaut still mein Schloß tief in den Rhein.
Es ist schon spät, es wird schon kalt,
kommst nimmermehr aus diesem Wald!"


Blätter-Gedicht von Johann Friedrich Fischart
Ihr grünen Blätter in den Wäldern,
bewegt und regt euch doch mit mir!
Ihr schwankenden Gräser in den Feldern,
ihr Blumen, lasst doch eure Zier
zu Gottes Ruhm belebet sein,
und stimmet lieblich mit mir ein.


Ach alles, alles was ein Leben
und einen Odem in sich hat,
soll sich mir zum Gehilfen geben;
denn mein Vermögen ist zu matt,
die großen Wunder zu erhöhn’,
die allenthalben um mich stehn’.


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