 
Eis-Formen


Gedicht "Winternacht"
von Nikolaus Lenau
Vor Kälte ist die Luft erstarrt,
es kracht der Schnee von meinen Tritten,
es dampft mein Hauch, es klirrt der Bart;
Nur fort, nur immer fort geschritten!

Wie feierlich die Gegend schweigt!
Der Mond bescheint die alten Fichten,
die, sehnsuchtsvoll zum Tod geneigt,
den Zweig zurück zur Erde richten.

Frost, friere mir ins Herz hinein,
tief in das heißbewegte, wilde!
Dass einmal Ruh mag drinnen sein,
wie hier im nächtlichen Gefilde!


Gedicht "Neuschnee"
von Christian Morgenstern
Flockenflaum zum ersten Mal zu prägen
mit des Schuhs geheimnisvoller Spur,
einen ersten schmalen Pfad zu schrägen
durch des Schneefelds jungfräuliche Flur -

kindisch ist und köstlich solch Beginnen,
wenn der Wald dir um die Stirne rauscht
oder mit bestrahlten Gletscherzinnen
deine Seele leuchtende Grüße tauscht.


Gedicht "Alles still!"
von Theodor Fontane
Alles still! Dem Auge zeigen,
schneebedeckt, sich Wald und Flur,
und darüber thront das Schweigen,
und der Sternenhimmel nur.

Alles still! Vergeblich lauschet
man der Dohle heisrem Schrei,
keiner Fichte Wipfel rauschet,
und kein Bächlein summt vorbei.

Alles still! Die fernen Hütten
sind wie Gräber anzusehn,
die, von Schnee bedeckt inmitten
eines schlichten Friedhofs stehn.

Alles still! Und ach, dem Schweigen
schaut mein Herz wie neidisch zu;
Würde bald auch ihm zu eigen
solche tiefe, tiefe Ruh.


Gedicht "Der Winter"
von Friedrich Hölderlin
Das Feld ist kahl, auf ferner Höhe glänzet
der blaue Himmel nur, und wie die Pfade gehen
erscheinet die Natur, als Einerlei, das Wehen
ist frisch, und die Natur von Helle nur umkränzet.

Der Erde Stund ist sichtbar von dem Himmel
den ganzen Tag, in heller Nacht umgeben,
wenn hoch erscheint von Sternen das Gewimmel,
und geistiger das weit gedehnte Leben.


Gedicht "Winterbilder"
von A. H. Hoffmann von Fallersleben
Weiß gekleidet lässt sich schauen
nun die Erde abermals;
Rings beschneit sind Höhn und Auen
und die Schluchten jenes Tals.

Und die Blumen schlafen alle,
sanft und leise zugedeckt,
bis mit Nachtigallenschalle
sie der Frühling wieder weckt.

In das weiße Leichenbette
hüllt' ich gerne mich auch ein,
dass ich mit den Blumen hätte
Hoffnungstracht und Freudenschein.


Gedicht „Winter“
von Ute Kirchhof
Im Wintergriff der kahle Wald,
der Schnee liegt glitzernd auf dem Feld,
fast abgestorben, starr und kalt,
es ruht die ganze Welt.

Der Ofen wärmt durch alle Räume,
es bleibt nach Nähe das Verlangen.
Nun hat man Zeit auch mal für Träume,
von alten Tagen, längst vergangen.

Lange Nächte, kurze Tage,
der Mond steht stumm mit fahlem Schein.
Schwer das Gemüt - und ohne Frage,
so dürfte es nicht ewig sein.

Zarte Flocken sind zu sehn’
und die Geschöpfe friern’.
Möge die Zeit geschwind’ vergehn’,
in der nur Eis und Frost regiern’.

Doch auch die klare Wintersonne,
blau schimmert schwach so mancher See,
vermag uns manche Herzenswonne,
zu schenken in der Stille Weh’.

Die schwarzen Zweige, ohne Leben,
alles das mag uns verdrießen,
bald wird es wieder welches geben
und alle Gräser sprießen!

Die Natur holt jetzt die Kraft,
für des Frühling’s Blüten.
Dass sie es immer wieder schafft,
gibt Gott durch sein Behüten.







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